Ich möchte euch erzählen, was mir heute passiert ist.
Und zwar heute morgen früh, an einem Tag wie jedem andere.
Um halb acht schnappe ich meinen Drahtesel, schwinge mich auf den unbequemen Sattel und beginne in die Pedalen zu treten. Die Strasse hinunter bis zur ersten Kreuzung, weit und breit kein anderer Verkehrsteilnehmer als ich. Ich strecke meinen Arm nach links und biege ab. Ungefähr 300m weiter vorne folgt die nächste Kreuzung. Von hinten näher sich mir ein mittelgrosses Malerauto. Ich fahre weiter und es braust vorbei. Ohne Rücksicht auf mich, begibt sich der Maler mit seinem Gefährt auf den Fahrradstreifen. Ich fahre hinter ihm her bis zur Kreuzung. Er hat mich unterdessen abgehängt. Ich beobachte folgende Situation; die Strasse, welche von links kommt ist recht gut befahren. Das erste Auto von links respektiert den Vortritt des Malerautos. Ich fahre ca. 10m dahinter, es wäre eine Sache von 3s gewesen, auch mich passieren zu lassen. Doch er drückt aufs Gaspedal und schneidet mir den Weg ab. Nun gut, seiner Meinung nach war er im Vortritt, weil ich noch nicht an der Kreuzung war. Doch insgesamt 7 Autos dahinter missachten mich. Schliesslich gab ich es auf, Gebrauch von meinem Vortrittsrecht machen zu können und wich aufs Trottoir aus. Ich schlängle mich geschickt zwischen zwei, drei Fussgänger durch ohne jemanden zu behindern. Eine alte, vollschlanke Frau, völlig ausser Atem, probiert mich mit ihrem Schirm zu picksen. Völlig erstaunt weiche ich aus und fahre weiter. Ich höre aber noch, wie sie mich aufs Übelste beschimpft.
Ein bisschen geschockt aber dennoch auf den verkehr konzentriert begebe ich mich wieder auf den Veloweg. Doch schon 10s später stehe ich dem nächsten Problem gegenüber. Ein schwarzer Porsche Cayenne, Fahrerin ist eine junge, blonde Frau, versperrt mit ihrem Offroader den Veloweg. Alle restlichen Autos aber verhalten sich korrekt und nützen den ihnen zur Verfügung gestellten Strassenabschnitt. Ich frage mich also, ob ich wieder aufs Trottoir ausweichen soll. Doch dieses ist genau so belebt wie es auch schon vorher der Fall war. Ich entschied mich also, eine Konfrontation mit einem gestressten Fussgänger zu vermeiden. Freundlich klopfe ich an die Hinterscheibe des stehenden Porsches, mit meiner Hand probiere ich die Blondine zu bitten etwas nach links zu fahren, dass ich passieren kann. Sie reagiert mit zwei langen Huptönen und betitelt mich als A******** begleitet von ihrem dünnen Mittelfinger mit übergrossen, perfekt aufgeklebten Plastiknägeln.
Also warte ich, bis sich die Kolonne wieder auflöst und fahre dann weiter. Die Porschefahrerin kann es nicht lassen und fährt provozierend auf dem Veloweg weiter.
Meine Laune wird stets schlechter.
Glücklicherweise beende ich meinen Schulweg ohne weitere Zwischenfälle.
Doch 3 unglückliche Situationen in nur 10min Fahrzeit sind für mich etwas viel.
An was liegt das?
Mein Schulweg ist eigentlich ziemlich velofreundlich. Die gelben Streifen begleiten mich von meiner Haustüre bis zum Veloparkplatz der Schule.
Daran liegt es also nicht.
Meiner Meinung nach liegt es am Stress der Verkehrsteilnehmer, der so manchen Autofahrer belästigt.
Ist es zu gefährlich, mit meinem Velo in die Schule zu gehen? Wenn der Autofahrer mich übersieht, bin das schwächere Glied. Es ewischt immer die Velofahrer.
Soll ich also nur noch mit der ÖV in die Schule gehen. Dafür müsste ich aber 30min früher aufstehen, und auf den Schlaf will ich nicht verzichten.
Folglich appelliere ich hier an alle Autofahrer:
BITTE BEGEBT EUCH ETWAS FRÜHER AUF DEN WEG ZUR ARBEIT, DAMIT IHR AUCH BEI VIEL VERKEHR NICHT STRESSEN LÄSST UND KEINE GEFAHR FÜR FAHRRADFAHRER DARSTELLT. ODER LASST DOCH EINFACH EUER AUTO ZUHAUSE UND BENÜTZT AUCH DAS VELO.
VIELEN DANK! euer Velofreund, Benjamin

